(tf) – Hinter den Kulissen der Öchsle-Bahn machen Mitglieder des Öchsle-Schmalspurbahnvereins ehrenamtlich mit großem Aufwand Wagen und Lokomotiven für die Sommersaison ab 1. Mai fit. Einstweilen gehen bereits so viele Buchungen ein, dass für die „Genießertour“ ein Zusatztermin am 10. Juni angesetzt werden musste.

Trotz der winterlichen Temperaturen findet sich im unbeheizten historischen Lokschuppen in Ochsenhausen Samstag für Samstag ein unverdrossenes sechs- bis achtköpfiges Grüppchen des Öchsle Schmalspurbahnvereins ein. Sein Ziel: Die Öchsle Fahrgäste sollen am 1. Mai wieder in den Wagen „3724 Stg“ von 1924 einsteigen können. Dafür muss der Wagenaufbau grundlegend saniert werden. Die äußere Beplankung aus Hartfaser-Schichtplatten hatte sich bereits so aufgeworfen, dass der Lack abblätterte und der Waggon den Spitznamen „Pappendeckelwagen“ bekam. „Leider mussten wir feststellen, dass auch die darunterliegende hölzerne Fachwerkkonstruktion schadhaft ist“, erzählt Öchsle-Geschäftsführer Andreas Albinger. Mit diesen Witterungsschäden ist der Wagen ein weiteres Opfer der fehlenden Wagenhalle, die 2017 mit einem jüngst zugesagten Bundeszuschuss endlich in Angriff genommen werden kann, wie Albinger hofft. Einstweilen stemmen sich die ehrenamtlichen Helfer dem Verfall entgegen. „3724 Stg“ wird mit der Sanierung eine Beplankung aus verzinktem Blech erhalten. „Dies ist haltbarer und ein optischer Angleich an zwei weitere Öchsle-Wagen desselben Typs, die bereits vor Jahrzehnten so ausgerüstet wurden“, sagt Albinger. Das fast 100-jährige Gefährt hat eine bewegte Geschichte: Von der Waggonfabrik Simmering ursprünglich für die Strecke Zell am See – Krimml gebaut, war es über die Jahrzehnte auf verschiedenen österreichischen Bahnen, ab 1970 bei der schweizerischen Waldenburgerbahn im Einsatz, bis es 1984 zum Öchsle kam.

Im modernen (beheizten) Lokschuppen in Warthausen werden die Lokomotiven für die Dampfzugfahrten der neuen Saison vorbereitet. Die 61 Jahre alte 99 788 „Berta“ muss eine größere Operation an ihrem Innenleben über sich ergehen lassen: der Überhitzer war undicht geworden und wird nun komplett überholt. Diese Vorrichtung aus diversen Rohren dient dazu, den Dampf über den Siedepunkt hinaus aufzuheizen und zu trocknen, bevor er seine Arbeit in den Zylindern verrichtet, wie Andreas Albinger erläutert. „Das erhöht die Effektivität und spart Energie“, so Albinger. „Bertas“ Überhitzer ist seit 1993 eingebaut und im Betrieb ständig aggressiven Rauchgasen ausgesetzt, weshalb das Schweißen und Überprüfen der Rohre nun nötig geworden ist.

Während die Technik noch für die neue Saison vorbereitet wird, gehen bereits zahlreiche Buchungen ein, wie von Patricia Bendel von der Buchungsstelle in Ochsenhausen zu erfahren ist. „Besonders die Genießertour, welche Dampfzugfahrt, Orgelkonzert und ein ausgiebiges Menü verbindet, ist sehr gefragt“, sagt Bendel. Wegen der bereits im Januar riesigen Nachfrage wurde dafür nun neben dem ausgebuchten 27. Mai ein Zusatztermin am 10. Juni eingeschoben. Auch die anderen Sonderfahrten außerhalb des Fahrplans, wie die Bacchus-Fahrt mit Weinprobe oder die Mondscheinfahrten können bereits gebucht werden.


Arbeiten im unbeheizten Ochsenhauser Lokschuppen am österreichischen Wagen „3724 Stg“: (v.l.) Jürgen Merk, Andreas Albinger, Mathias Fetscher und auf der Leiter Bernhard Günzl.

INFO: Das Öchsle startet am 1. Mai in die Saison 2017. Reservierungen für Sonderfahrten sind bereits jetzt unter Telefon 07352 922026 möglich.

Text: Thomas Freidank
Foto: Michael Angele

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