Als die Instandsetzungsarbeiten im Rahmen einer Hauptuntersuchung im Warthauser Lokschuppen Ende 2007 begannen, waren die Öchsle-Verantwortlichen zuversichtlich, „Berta“ nach einem halben bis dreiviertel Jahr wieder dampfen zu sehen. „Doch mit jedem Arbeitsschritt stellte sich der Zustand von Achsen, Lagern und Federung als wesentlich schlechter heraus als vermutet“, erinnert sich Werkstattleiter Hermann Schiebel. In der Folge musste seither die zweite Öchsle-Dampflok 99 716 „Rosa“ den Betrieb alleine schultern. Doch damit ist nun Schluss: „Rosa“ darf ihrerseits erst nach einer Hauptuntersuchung und entsprechenden Reparaturen wieder auf die Strecke.
Unter Hochdruck schweißen, montieren, reinigen und lackieren deshalb Benny Bechter, Vorsitzender des Schmalspurbahnvereins, und rund zehn Helfer hauptsächlich am Wochenende. Die schwierigsten Vorhaben am Fahrwerk sind mittlerweile erledigt und „Berta“ steht wieder auf ihren eigenen Rädern. Da die Wasserkästen und die meisten Anbauteile fehlen, sieht die Lok allerdings noch ziemlich „nackt“ aus. Neben den Montagearbeiten müssen Schmierleitungen angefertigt und verlegt, der Kessel abgepresst und abschließend geprüft sowie die endgültige Lackierung angebracht werden.
„Rund 35.000 Arbeitsstunden wurden bislang ehrenamtlich geleistet“, so die vorläufige Schätzung von Öchsle-Geschäftsführer Klaus-Peter Schust. Nur Reparaturen, die Spezialeinrichtungen erforderten, wurden vergeben. So hat das Dampflokwerk in Meiningen die Radsätze überholt. Die Firmen Liebherr und Handtmann unterstützten das Öchsle mit Teileanfertigungen und Fräsarbeiten. In den Werkstätten der Fichtelbergbahn werden derzeit unter anderem noch Kurbelstangenlager überarbeitet. „Auf rund 290.000 Euro werden sich die Kosten am Ende summieren“, schätzt Schust. Dabei seien durch die Eigenarbeiten etwa 310.000 Euro gespart worden.
Bechter und Schust sind zuversichtlich, dass „Berta“ zum Saisonbeginn am 1. Mai wieder dampfen wird, obwohl die Werkstatthelfer zusätzlich sieben Wagen instandsetzen und von Sachverständigen abnehmen lassen müssen. „Allerdings darf nun nicht mehr viel Unvorhergesehenes dazwischen kommen“, sagt Schiebel.
INFO: Wer beim Öchsle mitarbeiten oder beim Verein Öchsle Schmalspurbahn e.V. hineinschnuppern möchte, kann sich mit Benny Bechter unter Telefon 0170/ 238 7850 in Verbindung setzen. Informationen gibt es auch im Internet unter „www.oechsle-bahn.de“
Text: Thomas Freidank (tf)
Bilder:
BILD 1: Betrieb im Lokschuppen Warthausen: links 99 788 „Berta“ wieder auf eigenen Rädern, aber noch weitgehend ohne Anbauteile, im Hintergrund 99 716 „Rosa“, die nun zur Hauptuntersuchung ansteht sowie die Diesellok V22-01. Rechts ein Wagen, der ebenfalls gerade instandgesetzt wird. Foto: Thomas Freidank
BILD 2: „Berta“ steht wieder auf eigenen Rädern, sieht aber noch ziemlich „nackt“ aus. Bis 1.Mai soll sie wieder in voller Pracht und frischem Lack glänzen. Foto: Thomas Freidank
BILD 3: Georg Kuhrke fertigt und montiert Leitungen für eine neue Zentralschmierung, welche die Abschmierarbeiten künftig vereinfacht. Foto: Thomas Freidank
BILD 4: Nichts für Zimperliche: Öchsle-Vereinsvorsitzender Benny Bechter beim Reinigen der Rauchkammer. Foto: Thomas Freidank
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